Archive for the ‘Ugglas Songbook’ Category

Kurzes Gespräch im Himmel

Freitag, November 17th, 2017

Kurzes Gespräch im Himmel
Petrus: Ich habe gehört, auf der Erde gibt es immer mehr arme Menschen.
Gott: Ja, stimmt.
Petrus: Findest Du das gerecht?
Gott: Was ist schon gerecht?
Petrus: Wir sollten es schon sein.
Gott: Aber dann wollen die alle in den Himmel.
Petrus: Das haben wir ihnen so versprochen.
Gott: Was sind schon Versprechen?
Petrus: Aber…
Gott: Was meinst Du, wie schnell die Hütte hier oben voll wäre?
Petrus: Das heißt, die Armen kommen gar nicht in den Himmel?
Gott: Natürlich nicht. Das könnten weder die noch wir bezahlen.
Petrus: Und wieso kann es die Hölle bezahlen?
Gott: Weil der Teufel bescheißt.
Petrus: Aha.
Ende

(Dadalus Uggla, 2017)

Solo I

Freitag, November 17th, 2017


Von der Armut

Mittwoch, November 8th, 2017

Von der Armut

Armut endet auf der Straße.

Armut beginnt aber nicht dort.

Armut entsteht im Kopf.

Armut ist kein Schicksal.

Armut ist eine Strafe.

Armut heißt nicht endende Angst.

Armut macht krank.

Armut bedeutet Einsamkeit.

Armut ist der Ausdruck des Scheiterns.

Armut nimmt Menschen die Würde.

Armut macht schutzlos.

Armut macht gleichgültig.

Armut betäubt sich mit Drogen.

Armut begeht Verbrechen.

Armut verroht.

Armut tötet.

Armut lässt Kinder verhungern.

Armut lässt Völker verdursten.

Armut verursacht Kriege.

Armut ist keine Frage der Religion.

Armut ist Politik.

Armut ist von Menschenhand gemacht.

Armut ist ein warnendes Zeichen der Zeit, denn

Armut ist der Spiegel der Gesellschaft.

(© by Dadalus Uggla, 2013)

Kurzes Gespräch im Himmel

Dienstag, November 7th, 2017

Kurzes Gespräch im Himmel
Petrus: Die Menschen wollen alle ins Paradies.
Gott: Und deswegen zahlen sie keine Steuern?
Petrus: Nein. Dort zahlen sie keine Steuern.
Gott: Echt? Habe ich das so eingerichtet?
Petrus: Ich glaube schon.
Gott: Ist ja teuflisch. Sollten wir das ändern?
Petrus: Dann müssten auch wir Steuern zahlen.
Gott: Ach so. Hm…
Ende

(Dadalus Uggla, 2017)

Tod im Stadtverkehr

Samstag, November 4th, 2017

Tod im Stadtverkehr
Es krachte neulich, Knall auf Fall,
Ein Wesen aus dem All,
In einer kleinen Stadt,
Mal auf den Supermarkt herab.
Das Dach
War flach
Und glatt,
Der kleine Alien rutschte ab,
Und knallte, wie gemein,
Ganz hart auf einen Pflasterstein!
Dort blieb er bis um sieben
Laut schreiend einfach liegen.
Der Parkplatz war zwar menschenleer,
Doch kam um acht ein Laster her
Und parkte auf des Aliens Kopf,
Da war er still, der arme Tropf.
Nach Tagen hat man ihn gefunden,
Verwest und arg geschunden!
Man wusste nicht woher er kam
Und was er vorher hat getan,
Bis er, zu glauben, das ist schwer,
So grausam starb im Stadtverkehr.

(© by Dadalus Uggla, 2014)

aus: ‘Amselwetter’
von Dadalus Uggla

Mikrokosmos

Samstag, November 4th, 2017

Kurze Halloweengeschichte

Dienstag, Oktober 31st, 2017

Die Kürbissuppe
(Der zehnjährige Nachbarsjunge drapiert seinen selbstgebastelten Halloween-Kürbis im Garten.)
Ich: Na, der sieht ja wirklich gruselig aus!
Nachbarsjunge: Ist ja auch ein Horrorkürbis!
Ich: Kürbisse kann man auch essen. Zum Beispiel als Suppe.
Nachbarsjunge: Ich weiß. Meine Mama hat gestern eine gekocht.
Ich: Und hat es geschmeckt?
Nachbarsjunge: Ich sagte ja, das ist ein Horrorkürbis.
Ich: Aha.
Ende

(Dadalus Uggla, 2017)

Luther!

Dienstag, Oktober 31st, 2017

Luther!

(Eine kleine Geschichtsstunde)

Einst sprach der Martin Luther,

Zu seiner hochbetagten Mutter:

Ich möchte mal probieren,

Die Kirche zu sanieren!


Die Mutter sagte: Ach!

Und… ‘Lass’ das nach,

Das gibt nur Krach,

Spiel’ lieber wieder Schach!’


Doch Martin war total besessen!

Gleich nach dem Mittagessen,

Schrieb er zum öffentlichen Lesen,

Paar sehr gewagte Thesen!


Er klopfte das Traktat,

Um das ihn niemand bat,

(Das war ‘ne schwere Kür!),

Der Kirche an die Tür.


Den Pfaffen wurde das zu viel,

So endete das Spiel

Mit einem Kirchenbann,

Der ihn zum Untertauchen zwang!


Getarnt als Jörg der Junker,

Saß er im Bunker,

Auf einer Burg am Wald.

Zur Nacht war’s da schon ziemlich kalt.


Er dichtete ganz wach,

Bei Eisenach,

Dort unterm Dach,

Die halbe Bibel einfach nach!


Auch zeugte Martin noch sechs Kinder,

Er trank viel Wein und aß nicht minder

Und auf dem Weg zum Grafen,

Ist unser Martin dann entschlafen.


Was man noch sagen kann:

Er war ein großer Mann,

Und auch die Thesen seines Lebens,

Die waren nicht vergebens:

Geschichtlich ist’s belegt:

Er hat die Kurie glatt zerlegt!

Doch ist zu resümieren:

Man muss beim Reformieren,

Die Lage kontrollieren!

Sonst kann’s sehr wohl passieren,

Dass alle sich blamieren.

Und das wäre peinlich.

(© by Dadalus Uggla, 2013)

‘Im Wendekreis des Jasagers’
von Dadalus Uggla

Von Fischen und anderen Seetieren

Donnerstag, Oktober 26th, 2017

Der Hering

Der Hering schwamm so durch die See,

Das tat dem Hering auch nicht weh.

Er dachte grad’ an seine Mutter,

Da sah er einen Kutter!

Die holde Frau Mama,

Die sprach, wenn sie ’nen Kutter sah:

Jetzt schwimme um dein Leben,

Sonst wird es dich als Rollmops geben!

Doch war’s zu spät für unsern Fisch,

Er war schon unterwegs zu Tisch:

Im Netz gefangen mit der Scholle,

Gehievt in eine Jolle,

Wurde unser Hering schockgefroren.

Dann geteilt an Schwanz und Ohren,

Aufgeklappt und frei von Knochen -

(Die Gräten nutzt man noch zum Kochen!)

Wurde er von einem Bengel,

Gefressen mit ‘ner Semmel.

Und die Moral von der Geschicht’:

Fisch ist gesund!

(© by Dadalus Uggla, 2012)

(aus ‘Amselwetter’)

Die Hummel

Donnerstag, Oktober 19th, 2017

Die Hummel
Es flog die Hummel
Übern Rummel
Und sie dachte: Ach,
Was für’n Krach!
Dann flog die Hummel,
Tiefer über’n Rummel
Und sie sah, es gibt ja hier,
Unmengen Süßes, Wurst und Bier!
Es landete das Flügeltier,
Im Hauptquartier
Von Kuchenbäcker Krause,
Der trank grad grüne Brause.
Den Wespen und den Bienen
War hier das Paradies erschienen
Und auch die Hummel wusste glatt:
Hier werde ich heut’ satt!

Sie fraß erst was vom Kuchen,
Und wollte nun die Wurst versuchen,
Da biss ihr jemand moderat
In ihren schwarzen Damenbart.
Vor Schreck fuhr sie den Stachel aus
Und stach den Esser, ja oh Graus,
In seine rote Zunge!
Der arme kleine Junge,
Er japste gleich nach Luft,
Der Hummel in der Rachengruft,
Gelang’s noch zu entrinnen,
Doch blieb der Stachel drinnen,
Was einer Hummel nie passiert:
Die Stecherin ward amputiert!

Man zog den Stachel aus dem Jungen,
Und beatmete die Lungen,
Auch wussten unsre Retter schon,
Der Kleine braucht jetzt Cortison!
Der Bub war riesig aufgeregt,
Doch hat er glücklich überlebt.

Die Hummel hatte schwerverletzt
Sich auf den Boden hingesetzt
Und schrie vor lauter Pein,
Solch Schmerzen können schrecklich sein!
Sie wollt’ doch nur ein bisschen Wurst
Und hatte etwas Durst,
Dann endete das Mahl,
In solcher schlimmen Höllenqual!
Das hat der Rummel ihr gebracht:
Der Tod trat ein, noch in der Nacht!
Und die Moral von der Geschicht’
Auf Rummeln frisst man Bratwurst nicht!

(© by Dadalus Uggla, 2014)

aus: ‘Amselwetter’

von Dadalus Uggla

In teurem Land

Freitag, Oktober 13th, 2017

In teurem Land

Ganz tatenlos sitzt am Feldrain ein Bauer

Und starrt auf den Mais.

Ganz artig gegrüßt, wird höflich gefragt:

‘Warum bestellt der fleißige Bauer denn heut’ nicht sein Feld?’

‘Das wäre zu teuer, die Arbeit der Ernte, die kostet viel Geld!’

Auf einem Schemel, neben unfertigem Mauerwerk,

Schläft mitten am Tag ein Polier.

‘Das Haus ist nicht fertig, warum bekommt es kein Dach?’

‘Das wäre zu teuer, die Arbeit am Bau, die kostet viel Geld!’

Die stählerne Lok am städtischen Bahnhof steht still.

‘Warum fährt keine Bahn, ist das Reisen verpönt?’

‘Das wäre zu teuer, der Transport kostet viel Geld!’

Im Hause der Künste verstummt die Musik.

‘Warum musiziert Ihr denn nicht?’

‘Das wäre zu teuer, denn wohlige Klänge kosten viel Geld!’

Über einen Baumstumpf gestürzt, betritt der Wanderer

Gebrochenen Fußes die Krankenstation.

Erst falsch über den Baum, nun über tote Patienten,

Steigt der Wanderer hinan zum wartenden Arzt.

Der weiß nicht zu helfen:

‘Die Heilung wäre zu teuer und Medizin kostet viel Geld!’

Im Palast der Regierung trifft der wütende, wandernde Gast

Auf die Laffen im Amt, die das Volk und die Steuern verwalten.

‘Warum regieret Ihr nicht Euer Volk?’

‘Das Volk kann uns nicht mehr bezahlen. Zu teuer ist unser Begehr!’

Das Hohnlachen nichtsnutziger Trolle

In unwürdigem Amt noch im Ohr,

Schweift auf dem Berg

Des Wanderers Blick über das Land.

Ein Kind weiß Antwort im blühenden Grün:

‘Sie werden alle sterben, verhungern im Kot!’

‘Sie sind doch schon tot, schon seit langer Zeit.

Und niemand hat es gemerkt.’

Im Arm des Wanderers weint kindlicher Geist.

(Dadalus Uggla, 2013, aus ‘Im Wendekreis des Jasagers’)

Der Asteroid

Sonntag, Oktober 8th, 2017

Der Asteroid

Es fliegt ein wirklich großer Stein,

Das ist gemein,

Ganz tief in unsern Luftraum rein.


So es ist wahr,

Der alte Klumpen da,

Kommt Mutter Erde ziemlich nah!


Doch um die Zuversicht zu stärken,

Behaupten die Experten,

Gefahren sind nicht zu vermerken.


Nur wenn der Brocken mit uns kollidiert

Und unser Globus explodiert,

Dann bleibt das Fazit konstatiert:

Die Mayas hatten doch Recht!

(© by Dadalus Uggla, 2013)

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