Archive for the ‘Twilight Zone’ Category

Meeschensee

Freitag, September 29th, 2017

Musik & Film, Dadalus Uggla
© by Dadalus Uggla, 2009

Gödeke

Samstag, Juni 3rd, 2017

Gödeke

(Hamburg, Landungsbrücken) 

Ich traf Gödeke Michels im Hafen. Wo sonst?

Er saß am Ende der Landungsbrücken auf einem Poller und starrte elbabwärts. 

Obwohl es ein sonnenreicher Tag war, regnete es über ihm. 

Außer mir konnte ihn wahrscheinlich niemand sehen. Die Regenpfütze, in der seine schweren Stiefel standen, wurde von den auf die Elbe gaffenden Touristen nur als übergeschwappte Gischt des großen Flusses wahr genommen. 

Als einziger von damals hatte Gödeke den Sprung auf die andere Seite geschafft. 

Nicht einmal Klaus, der anders lautenden Gerüchten entgegen mit seinem wahnwitzigen, kopflosen Sprint nach der Enthauptung zwar noch das Tor berühren, es aber nicht mehr öffnen konnte, hatte die Macht besessen, in diese andere Welt einzutreten. 

Gödeke trieb sich meistens hier unten an der Elbe herum. Allerdings war er dem Grasbrook seit dem verhängnisvollen Jahr 1401 nicht mehr sehr nahe gekommen. Als einziger der dreiundsiebzig Freibeuter, konnte er sich der Hinrichtung entziehen und nach Norwegen fliehen. 

Nur ein Mal, am zwanzigsten Oktober im Jahre zweitausendeins, dem sechshundertsten Jahrestag der Enthauptung der Vitalienbrüder, sahen wir zusammen aus der sicheren Entfernung eines Bootes, wie die Pfähle mit den aufgespießten Totenschädeln für ein paar Minuten entlang des Elbstrandes schemenhaft sichtbar wurden. 

Erst um das Jahr 1708 kehrte Gödeke in die Hansestadt zurück. Seit dem war er auf der Jagd nach Rosenfeld, dem Meister des richtenden Schwertes, der den Freibeutern den Kopf abschlug und kurze Zeit später angeblich selber von einem machtgeilen Jüngling aus der Ratsbrüderschaft bei Nacht und Nebel enthauptet wurde. 

Rosenfeld ist noch hier, behauptete Gödeke trotz dessen. Ich selber habe Rosenfeld niemals zu Gesicht bekommen. Aber Gödeke war besessen von dem Gedanken, ihn in Hamburg aufzuspüren. 

Vor vielen Jahren schon hatte ich Gödeke versprochen, ihm zu helfen, den Henker seiner Freunde zu finden. Wenn selbst ich auch davon überzeugt war, Rosenfeld habe niemals Zugang zur zweiten Welt erlangen können. 

So lang ich Gödeke traf, erzählte er immer von den alten Zeiten damals. Von Klaus Störtebeker, der eigentlich Johann hieß und vier Liter Met in einem Zug trinken konnte, von Humpert Grobherz, dem furchtlosen Käpt’n, von Hennig Wichman, Magister Wigbold und den anderen Likedeelern. Und dass ihr Schiff, die “Bunte Kuh”, der Flotte Simon von Utrechts in die Hände fallen konnte, verdankte man nur einem Verrat, in den ebenfalls ein Mitglied der Rosenfeld-Sippe verstrickt war. 

Es störte ihn auch nicht, dass der Ruhm der Geschichte dabei weitgehend auf Störtebeker fiel und nicht auf ihn, den einzigen immer noch lebenden Flüchtling und eigentlichen Kopf hinter der Bande. 

Klaus sei ein Deeler gewesen und kein Pirat, sagte er immer. Alles was Klaus konnte, war Geld zu zählen und Met zu saufen. Aber er hatte etwas, dass den Weibern gefiel. Und hätte Störtebeker nicht ein Verhältnis mit der Frau des Hamburger Bürgermeister Kersten Miles angefangen, hätte dieser ihn wahrscheinlich sogar laufen lassen. Aber um sein Gesicht zu wahren, musste er Klaus und seine Spießgesellen köpfen lassen. Und Rosenfeld war ein williger Gehilfe für des Bürgermeisters Rachegelüste. 

Gödeke sprach nie darüber, wie er selbst es geschafft hatte, in die zweite Welt zu kommen. Aber er behauptete Stein und Bein, dass die Person, die im Juli 1402 in Hamburg unter seinem Namen hingerichtet wurde, nichts mit ihm zu tun hatte. 

Er zuckte nicht einmal zusammen, als ich ihm die Hand auf die Schulter legte. 

“Ich habe ihn gefunden!” sagte er nur. 

“Das Schwein ist hier. Er war die ganze Zeit hier.” 

Gödeke drehte sich zu mir um und blickte mich mit seinen stahlblauen Augen ruhig an. Für einen Moment sah ich darin, fast wie in einem Monitor, das Bildnis eines alten Mannes ohne Arme und ohne Beine. 

“Das ist Rosenfeld?” fragte ich ungläubig. 

“Das ist Rosenfeld!” antwortete Gödeke und im selben Augenblick verstummte der Regen. 

“Wie hast du ihn gefunden?” 

“Dadurch!” 

Gödeke hielt mir eine uralte goldene Taschenuhr entgegen. Auf ihrem Ziffernblatt fehlte die Zwölf. 

“Wir haben sie zusammen gebaut, er und ich. Ein halbes Jahrhundert, bevor Peter Henlein in Nürnberg seine Erfindung einer Taschenuhr vorgestellt hat.” erzählte Gödeke. 

“Bevor Rosenfeld mich und die anderen wegen der Uhr jagte, waren wir Freunde. Und durch Klaus Störtebekers unkontrolliertes Liebesleben war es ein Leichtes, den Bürgermeister gegen uns aufzubringen und uns Simon von Utrecht mit seiner Flotte auf den Hals zu hetzen.” 

“Und warum fehlt beim Ziffernblatt die Zwölf?” fragte ich. 

“Weil wir hofften, damit die Zeit zu überlisten. Wie du siehst, hat es geklappt.” 

“Wo hast du die Uhr gefunden?” 

“Sie lag im Schaufenster eines türkischen Händlers in der Nähe des Domplatzes. Der Händler kannte die Frau, die sie ihm verkauft hat.” 

“Eine Frau?” 

“Ja. Eine Frau vom Sozialamt hat die Uhr mit einigen anderen seiner Habseligkeiten veräußert, um die notwendigsten Medikamente für ihn zu kaufen.” 

“Was willst du jetzt machen?” fragte ich. 

“Ihn umbringen? Einen Toten töten?” 

“Ist das noch notwendig?” antwortete Gödeke mit einer Gegenfrage. 

“Er hat keine Arme und keine Beine mehr, lebt als Bettler in einem Rollstuhl und eigentlich besitzt er seit über sechshundert Jahren noch nicht mal mehr einen eigenen Kopf. Die Uhr hat ihn am Leben erhalten. Ob er wollte oder nicht.” 

“Wie ist das möglich? Warum hat er die Uhr nicht schon längst zerstört?” fragte ich. 

“Zuerst, weil er ein Feigling war, später konnte er es nicht mehr, zum Schluss hatte er vergessen, dass er die Uhr besass.” 

“Was wirst du jetzt machen?” 

“Ich werde das in die Uhr einbauen.” sagte Gödeke und zog ein kleines goldenes Ziffernblatt mit allen zwölf Zahlen aus seiner Tasche. 

“Ich habe es die ganze Zeit bei mir getragen und sechshundert Jahre auf diesen Augenblick gewartet. Die Zeit ist einfach stärker als wir.” 

Ein Sonnenstrahl blendete meine Augen und als ich wieder sehen konnte, war Gödeke verschwunden. Im selben Augenblick fing es wieder an zu regnen und mir wurde kalt. Ich habe Gödeke danach nie wieder getroffen. 

Vor kurzem wurden in der Nähe des ehemaligen Hamburger Domplatzes menschliche Knochen gefunden, die wahrscheinlich aus dem 14. Jahrhundert stammten. Interessant dabei war der Fund einer goldenen Taschenuhr, über deren Alter die Experten hoch erstaunt waren. Im selben Monat entdeckte ein Spaziergänger am Großen Grasbrook Leichenteile eines Menschen. Der Rumpf hatte keine Arme und Beine mehr und ihm fehlte der Kopf. Die Identität des Mannes konnte nie ermittelt werden. Den Polizeipathologen gab der Tote noch ein weiteres Rätsel auf: Laut einer DNA-Analyse war der noch nicht einmal verweste Torso ungefähr sechshundert Jahre alt.

(© by Dadalus Uggla, 2008)

Frühling am See

Freitag, Mai 12th, 2017

Der Mensch glaubt nur, was er sieht. Leider ist aber nicht alles was er sieht, auch immer glaubhaft.

(Dadalus Uggla, 2011)

Die zweite Erde

Sonntag, August 14th, 2016

Die Bedingungen sind erfüllt!

Stimmen im Kopf

Sonntag, Juni 19th, 2016

Stimmen im Kopf

Er hörte Stimmen im Kopf. Sie wurden immer lauter und waren überall. Vor ihm, hinter ihm, neben ihm, sogar über ihm. Sie flüsterten, gurgelten, kreischten und schrieen. Bilder brannten sich in sein Hirn, von abgetrennten Köpfen und Gliedmaßen, von toten Kindern, von Blut und Krieg. Und es nutzte nichts, die Augen zu schließen! Die Stimmen lachten dann hämisch oder gaben Befehle in einer Sprache, die er nicht verstand. Sein Puls raste und die Angst drehte ihm wie eine eisige Faust den Magen um. Wenn er nicht ohnmächtig werden wollte, musste er weg hier. Er versuchte zu rennen, doch der stockdunkle Gang wurde immer länger und seine bleischweren Beine schafften es nicht, die steiler werdenden Stufen zu erklimmen. Die Stimmen jagten ihn jetzt und das Grauen war rings um ihn. Fast bewusstlos hielt sich der Taumelnde an einem schweren Vorhang fest, bevor er in gleißendes Licht stürzte.

Als er auf der Parkbank zu sich kam, waren die Dämonen in seinem Kopf einer gespenstischen Stille gewichen, die nur vom Zirpen der Grillen und dem heiseren Krächzen zweier riesigen Krähen unterbrochen wurde, die auf der Wiese in zeitlupenhaftem Tempo misstrauisch vor ihm auf und ab stolzierten.

Seine Atmung beruhigte sich langsam und er begriff: Chinesische Horrorfilme in einem 3D-Kino waren einfach nicht sein Ding.

(© by Dadalus Uggla, 2013)

Die Ostermusik

Freitag, März 25th, 2016

Opera Electrique plays Bach
Sonate BWV 1028, Part IV, Allegro


Vorzeitliche Pipeline

Samstag, Juni 28th, 2014

Nicht alles was wir zu wissen glauben, ist auch richtig.

Der Mönch

Donnerstag, Juni 5th, 2014

Nemos Parkplatz

Mittwoch, Juni 4th, 2014

Nachrichten vom Mars

Mittwoch, April 9th, 2014

Ein Licht am Ende des Berges

Das mystische Datum

Mittwoch, Dezember 11th, 2013

11-12-13


Vom Suchen und Finden

Freitag, Juli 12th, 2013

Manchmal sucht man Dinge, die man niemals findet. Manchmal aber findet man auch Dinge, die man niemals suchen wollte.

(Dadalus Uggla, 2013)

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